AOLs Forschungsabteilung wollte eigentlich nur Kollegen beim Entwickeln eigener Anwendungen helfen. Doch als Mitarbeiter des Internet-Anbieters Anfang August Millionen von Suchanfragen als handlichen Download im Netz veröffentlichten, handelten sie sich damit ein massives Datenschutz-Fiasko ein - und beflügelten Entwickler zu Diensten, an die vorher wohl niemand gedacht hatte.
Handliche 400 Megabyte groß war die Datei, die AOL vor wenigen Tagen auf seiner Entwicklungs-Webseite zum Download anbot. Der brisante Inhalt: 20 Millionen Suchanfragen, die 650.000 AOL-Nutzer in den letzten drei Monaten gestellt hatten. Zusätzlich noch Informationen darüber, welches Suchergebnis der jeweilige Nutzer dann letztlich angeklickt hat und wann die betreffende Suchanfrage gestellt wurde.
Natürlich hatte AOL nicht geplant, die Privatsphäre seiner Nutzer zu verletzen. Die Mitarbeiter ersetzten deshalb pflichtbewusst jeden Nutzernamen durch eine pseudonyme Nummer. Aus einer Nutzerkennung wie JimBrown@AOL.com wurde dabei dann eine schön unverfängliche Nummer wie 16923299.
Wenn Eitelkeit zum Verhängnis wird
Das Problem: AOL-Nutzer sind eitel. Und gelangweilt. Dazu haben sie noch einen Netzanschluss - eine gefährliche Kombination. So suchten viele Nutzer nach ihrem eigenen Namen. Andere gaben ihre in den USA zur eindeutigen Identifizierung genutzte Sozialversicherungsnummer in die AOL-Suchmaske ein. Wieder andere wollten ein bisschen was über ihre Nachbarschaft herausfinden - und fütterten die Suchmaschine deshalb mit ihrer Adresse.
Wer sich die AOL-Suchergebnisse einmal genauer anschaut, kann damit deshalb ganz schnell einzelne Nutzer enttarnen. Nutzer wie Thelma Arnold zum Beispiel, die von der New York Times jetzt als Nummer 4417749 identifiziert wurde. Die 62-jährige US-Amerikanerin suchte bei AOL nach Abhilfen für die Blasenschwäche ihres Hundes, nach neuen Häusern in ihrer Nachbarschaft - und nach ihrem Nachnamen. Die Zeitung zitierte die Arnold mit den Worten: "Ich hatte keine Ahnung, dass mir jemand dabei über die Schulter guckte."
AOL Deutschland nicht betroffen
AOL hat sich für das Fiasko bei seinen Nutzern und ganz persönlich auch bei Thelma Arnold entschuldigt. Doch der Skandal wird den Internet-Anbieter wohl noch eine ganze Weile beschäftigen. Die Such-Daten kursieren mittlerweile in Tauschbörsen-Netzwerken. Einige Entwickler haben zudem damit begonnen, sich davon zu eigenen Web-Diensten inspirieren zu lassen.
Die Resultate sind allerdings nicht ganz, was AOL sich ursprünglich wünschte. So bietet Aolsearchdatabase.com ein Web-Formular an, um die Daten nach Stichworten, Web-Adressen und Nutzernummern zu durchsuchen.
Glück
im Unglück haben deutsche AOL-Nutzer. Die Daten sind das Resultat von
Suchanfragen der US-Plattform. AOL.de ist davon nicht betroffen.
Quelle: netzwelt.de
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AOL - Millionen von Suchergebnissen im Netz veröffentlicht |
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